Es ist Hochsommer, es sind Ferien, und das heißt für mich seit nunmehr 10 Jahren: es ist Fiddle Camp Zeit!

Fiddle Camp heißt für mich: eine Woche lang von morgens bis tief in die Nacht Fiddle spielen, viele tolle neue Leute kennenlernen, mit denen ich die gleiche Leidenschaft teile, von den Besten der Besten lernen und mit tausend neuen Melodien im Kopf wieder nach Hause fahren. Und natürlich wenig Schlaf ;-).

Fiddle Camps und Workshops sind meine Inspiration, meine jährliche Medizin, sie bringen mich wieder näher an mein Instrument, meine Musik, meine Leidenschaft, wenn diese im Alltag mal etwas verblasst – sie wirken bei mir wie ein musikalischer Jungbrunnen.

An dieser Stelle möchte ich euch einige Camps und Workshops vorstellen, die ich selbst schon besucht habe, damit ihr einen Eindruck bekommt, wie so etwas abläuft. Und vielleicht bekommt ihr Lust, selbst mal auf ein Fiddle Camp zu fahren!

 

Haugaard’s International Fiddleschool

Harald Haugaard veranstaltet diesen Sommer zum 11. Mal seine International Fiddleschool, die meist in der letzten Juliwoche im Christian Jensen Kolleg in Breklum in Nordfriesland stattfindet. Seit 2012 bin ich (fast) jeden Sommer dort anzutreffen, inzwischen ist das für mich eine Art Familientreffen. Auch die meisten Lehrer sind regelmäßig dabei, wie z.B. Kevin Henderson, Hanneke Cassel oder Pete Cooper. Langweilig wird es aber nie, denn es kommt immer mal wieder ein Lehrer dazu und bringt neue Einflüsse.

Die Fiddleschool bietet Fiddleklassen für jeden Level; von Beginner bis Super Advanced ist in einer der sechs verschiedenen Klassen jede*r gut aufgehoben. Man bleibt üblicherweise die ganze Woche in seiner Klasse, während die Lehrer*innen durch die verschiedenen Klassen rotieren, sodass man von allen lernen kann. Das Repertoire, das ausschließlich nach Gehör unterrichtet wird, wird dabei möglichst in allen Klassen gleich oder ähnlich unterrichtet, sodass es viel Material gibt, das man abends gemeinsam in den Sessions spielen kann und das sich meist auch über die Jahre hält, sodass das Fiddleschool-Repertoire Jahr um Jahr wächst.

Zusätzlich zu den Fiddle-Klassen gibt es ergänzende Aktivitäten: Es wird getanzt, Yoga geübt, Musik auf dem Deich gemacht, es gibt ein Lehrerkonzert, ein Schülerkonzert und ein großes Abschlusskonzert mit allen Teilnehmern am letzten Abend. Außerdem kommen neben den Geiger*innen auch Spieler*innen anderer Instrumente auf ihre Kosten: Es gibt zusätzlich noch eine Cello-Klasse, eine Gesangsklasse und eine Ensemble-Klasse, in der alle Instrumente willkommen sind.

Alles in allem ist Haralds Fiddleschool immer wieder ein unvergessliches Erlebnis, und ich hoffe, noch viele davon mitmachen zu können!

Radix Musikwerkstatt

Die Radix Musikwerkstatt wurde zum ersten Mal im Jahr 2016 im Rahmen des Walser Herbstes veranstaltet, ein Kulturfestival, das alle zwei Jahre in Vorarlberg im schönen Großen Walsertal stattfindet. Und da die erste Radix so erfolgreich war, entschloss man sich gleich, sie unabhängig vom Festival auch in den ungeraden Jahren stattfinden zu lassen.

Für die Geiger*innen gibt es dort zwei Klassen: eine Anfängerklasse für Kinder, angeleitet von Evelyn Fink-Mennel, die auch die gesamte Radix leitet, und eine fortgeschrittene Klasse. Diese wurde im ersten Jahr von Matthias Lincke, einem Schweizer Geiger, unterrichtet; seit 2017 lehrt Antti Järvelä aus Finnland Tunes aus Skandinavien und mehr.

Bei der Radix Musikwerkstatt gibt es außerdem noch Klassen für Blechblasinstrumente, Gitarre, Akkordeon, Kontrabass und fürs Jodeln – es ist also breiter aufgestellt als Haugaard’s Fiddleschool. Dafür bleibt man in der Klasse bei einem/einer Lehrer*in, wobei sich natürlich außerhalb des Unterrichts gerne unters Volk gemischt wird und die Sessions am Abend natürlich mit allen gemeinsam stattfinden. (Unter uns: Die besten Sessions meines Lebens habe ich während der Radix in einem österreichischen Wirtshaus erlebt.)

Wunderschön ist auch der Ort, an dem die Radix stattfindet: die Probstei St. Gerold mit vielen schönen Räumen zum Musizieren, Gästezimmern und einem guten Restaurant, einem Klostergarten, einer Kapelle, einem Weinkeller mit guten Tropfen und einem atemberaubenden Blick über das Tal. Und der Probst lädt jedes Jahr zum gemeinsamen Gregorianischen Singen ein, was sehr eindrucksvoll ist.

Zusammengefasst ist Radix: klein, aber fein, ein ganz großer Spaß, eine tolle Atmosphäre, wunderschön gelegen und bietet gerade für mich als Norddeutsche immer wieder einen spannenden Blick in den alpinen Kulturkreis.

Augusta Bluegrass Week

Kurz möchte ich auch noch auf die Augusta Bluegrass Week in Elkins, West Virginia, in den USA eingehen. Am Davis & Elkins College finden jedes Jahr mehrere Musikcamps statt, die sich jeweils thematisch mit einem Musikstil befassen. So gibt es neben Bluegrass z.B. auch Cajun, Oldtime und Swing zu entdecken.

Im Sommer 2010 war ich bei der Bluegrass Week und hatte eine Woche lang Unterricht bei Darol Anger – ein toller Musiker und Lehrer, von dem ich eine Menge mitgenommen habe. Neben drei Fiddle-Klassen für Beginner, Intermediate und Advanced Players gibt es das Gleiche für weitere Bluegrass-Instrumente wie Mandoline, Banjo und Gitarre. Die Lehrer*innen sind allesamt renommierte Spieler*innen ihres Instruments, und dieses Camp ist eine gute Gelegenheit, die Stars mal hautnah zu erleben. Und auch bei diesem Camp bieten sich natürlich viele Möglichkeiten für Sessions mit anderen, da alle Instrumente einer Bluegrass-Band vielfach vertreten sind!

Meine ersten Fiddle Camp Erfahrungen habe ich im Sommer 2009 beim Mark O’Connor String Camp in Tennessee gemacht – dieses Camp gibt es in dieser Form leider nicht mehr. Inzwischen bietet er allerdings ein Camp für alle an, die nach seiner O’Connor Violin Method lernen.

 

Na, Lust bekommen, selbst mal auf ein Fiddle Camp oder Workshop zu fahren? Es ist hilfreich, sich bei der Auswahl folgende Fragen zu stellen:

  • Möchtest du dich besonders mit einem Musikstil befassen, z.B. Irish Folk, oder bevorzugst du ein vielfältiges Angebot aus verschiedenen Stilen?
  • Auf welchem Level spielst du und bietet das Camp für deinen Level den passenden Kurs?
  • Wer unterrichtet und kannst du jemanden fragen, wie der Unterricht bei diesem/dieser Lehrer*in ist? Dies ist umso wichtiger, wenn man die ganze Zeit bei einem/einer Lehrer*in Unterricht hat – bei mehreren rotierenden Lehrer*innen kann man es gut verschmerzen, wenn eine*r dabei ist, mit dem/der man nicht so gut klarkommt.
  • Wieviel Zeit und Geld möchtest du investieren? Es gibt Wochenendworkshops und Camps über eine ganze Woche, es gibt Angebote in näherer Umgebung und man kann über den großen Teich fliegen.

Egal, wofür du dich entscheidest: Solche Camps und Workshops sind immer ein einzigartiges Erlebnis, und es gibt immer etwas Neues zu entdecken und lernen. Ich jedenfalls möchte diese Erfahrungen nicht mehr missen!

 

Hast du noch Fragen zu diesem Thema? Warst du schon mal auf einem Fiddle Camp, und wenn ja, wie waren deine Erfahrungen? Lass es mich in den Kommentaren wissen oder schreibe mir eine E-Mail!

Und vielleicht sehen wir uns nächsten Sommer auf einem Fiddle Camp :-).

FIDDLE ON,

eure Ulli

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